Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitszertifizierungen für nachhaltige Unternehmen sind in aller Munde. In Zeiten, in denen die sozialen und ökologischen Problemfelder täglich bedrohlicher werden, ist der Bedarf an nachhaltigen Handlungsprinzipien akuter denn je. Zeit, dass auf Worte auch Taten folgen. Das gilt mehr und mehr auch für Unternehmen, bei denen der Handlungsdruck heute ganz direkt von mehreren Seiten zugleich steigt: Kunden, Investoren und Regulatoren fordern überprüfbare Nachhaltigkeit – so zum Beispiel in Form von glaubhaften Nachhaltigkeitszertifizierungen. Darauf nicht einzugehen, stellt ein geschäftliches Risiko dar, das einzugehen verheerende Folgen haben kann. Im Folgenden erfahren Sie unter anderem, warum Unternehmen, die sich dem Thema der nachhaltigen Entwicklung widmen, auf lange Sicht davon profitieren – und inwiefern Zertifizierungen dazu beitragen können, das Firmenimage dauerhaft zu verbessern.

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Die Frage nach einer nachhaltigen Entwicklung wird immer wichtiger – und zwar sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Klimawandel, Globalisierung und Umweltverschmutzung sind Themen, die die internationale Staatengemeinschaft zum gemeinsamen Handeln verpflichten. Während wir Nachhaltigkeit im alltäglichen Sprachgebrauch vor allem mit Umweltschutz und Langlebigkeit verbinden, bezieht sich eine nachhaltige Entwicklung in ihrer ursprünglichen Bedeutung auf den verantwortungsvollen Umgang mit den begrenzten Ressourcen unserer Erde. Um ein neues Konzept handelt es sich hierbei bei weitem nicht: Schon vor mehr als 300 Jahren verstand man unter Nachhaltigkeit die Herstellung eines stabilen Gleichgewichts. Geprägt wurde der Begriff von dem deutschen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der ihn in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ auf die Forstwirtschaft übertrug. Das war übereinstimmenden Angaben unterschiedlicher Quellen zufolge 1713. Der Grundgedanke, der dahintersteckte, war folgender: In einem Wald sollten nur so viele Bäume gerodet werden, wie in absehbarer Zeit nachwachsen konnten. Dadurch sollte der Bestand des Waldes langfristig sichergestellt werden. Weltweite Bekanntheit erlangte der Begriff der Nachhaltigkeit dann 1983 – und zwar durch seine Erwähnung im Bericht der Brundtland-Kommission für Umwelt und Entwicklung. Die Vereinten Nationen hatten diese Kommission unter der Leitung des ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland einberufen, um langfristige Perspektiven für eine umweltschonende Entwicklungspolitik aufzuzeigen. Heute wird die Grundidee eines nachhaltigen Lebens vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, der von der Bundesregierung berufen wurde, so zusammengefasst, dass es dabei darum geht, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähiges Wirtschaften bedeutet also, nachfolgenden Generationen ein intaktes soziales, ökologisches und ökonomisches Gefüge zu hinterlassen. 2012 wurden aus diesem Grund auf der Konferenz der Vereinten Nationen weltweit geltende konkrete Ziele für mehr nachhaltiges Handeln beschlossen. Diese sogenannten Sustainable Development Goals sind in der Agenda 2030 festgeschrieben. Hierbei handelt es sich um 17 Ziele, die alle drei Dimensionen eines nachhaltigen Lebens berücksichtigen – Ökologie, Soziales und Ökonomie. Vision der Agenda 2030 ist es, wirtschaftlichen Fortschritt rund um den Globus in Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Tragfähigkeit zu bringen. Mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wurden die Nachhaltigkeitsziele in ein nationales Konzept für Deutschland überführt, das gerade auch für Unternehmen interessant ist. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass nachhaltige Unternehmen solche sind, die nicht nur zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, sondern auch darum bemüht sind, sich der Ressourcenneutralität zu nähern.

Was ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung?

Nachhaltigkeitszertifizierungen sind Belohnung und Bestätigung für besondere Leistungen im Bereich der nachhaltigen Unternehmensführung. Der Gesellschaft ermöglichen sie eine umfassende Orientierung darüber, welche Unternehmen sich vorbildlich aufstellen. Darüber hinaus können Zertifizierungen Zusammenhänge in Unternehmen besser verständlich machen. Ausgezeichnet werden nur jene Unternehmen, die bestimmte verbindliche Regelwerke auf freiwilliger Basis einhalten. Diese Regelwerke beinhalten bestimmte Maßnahmen und wichtige Qualitätsmerkmale in ganz unterschiedlichen unternehmerischen Bereichen. Nachhaltigkeitszertifizierungen machen dieses freiwillige Engagement sichtbar – und können auf diese Art und Weise dabei helfen, die Reputation eines Unternehmens nach innen und außen zu verbessern. Zugleich erleichtern es die dahinterliegenden Systeme, unternehmerische Prozesse zu messen. In der Folge kann das Management seine Aktivitäten besser steuern und nachhaltig optimieren. So können komplexe Wertschöpfungsketten in globalisierten Märkten auf lange Sicht wesentlich transparenter und verantwortungsvoller gestaltet werden.

Wie kann man Nachhaltigkeit messen?

Die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu messen, ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Anpassung an die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung. Festgestellt werden kann sie durch ganz unterschiedliche Methoden. So kann zum Beispiel gemessen werden, wie sich die in der Produktion verwendeten Materialien und Inhaltsstoffe auf die Ökobilanz auswirken. Diese Messungen sollten auf drei Ebenen der Produktion durchgeführt werden: Produkte, Inputfaktoren und Herstellungsverfahren. Daneben können auch bestimmte Nachhaltigkeitsindikatoren dabei helfen, nachhaltiges Handeln zu messen. Berücksichtigt werden verschiedene Quellen – so zum Beispiel der Stromverbrauch, die Emissionen von Fahrzeugen und Heizungen oder der Papierverbrauch.

Wie wird beim DIQP die Nachhaltigkeit eines Unternehmens gemessen?

Mit der Nachhaltigkeitszertifizierung des Deutschen Instituts für Qualitätsstandards und -prüfung e.V. (DIQP) zeigen Unternehmen ihr Engagement im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Dabei orientiert sich das DIQP an der Definition der bereits erwähnten Brundtland-Kommission. Danach ist eine Entwicklung dann nachhaltig, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne nachfolgende Generationen zu gefährden. Grundlage der Zertifizierung des DIQP sind drei unterschiedliche Blickwinkel auf das Unternehmen, die dabei helfen sollen, dessen soziale, ökologische und ökonomische Ziele näher zu beleuchten. Neben einer Kunden- und Mitarbeiterbefragung erfolgt auch eine spezielle Nachhaltigkeitsbefragung, in deren Rahmen Daten, Fakten und Zahlen rund um das Thema der nachhaltigen Entwicklung abgefragt werden. Im Zuge der Befragungen werden mehr als 60 Themen bewertet, wobei auf die zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen zurückgegriffen wird. Diese Prinzipien sind unter anderem aus der allgemeinen Erklärung zu den Menschenrechten abgeleitet. Außerdem basiert die Nachhaltigkeitszertifizierung des DIQP auf den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Für Unternehmer wichtig zu wissen ist, dass es sich um eine optimale Ergänzung zu etablierten Produktstandards wie FSC, Fairtrade oder UTZ handelt, die hier nicht in Konkurrenz steht. Vielmehr betrachtet die Zertifizierung das Unternehmen als Ganzes.

Wie messen anderen Nachhaltigkeitszertifizierungen die Nachhaltigkeit eines Unternehmens?

Selbstverständlich existieren auch andere Zertifizierungen, die die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens messen – allerdings werden Unternehmen hierbei nur selten als Ganzes betrachtet. Für Kunden, Investoren und Regulatoren kann es da manchmal schwierig sein, sich entsprechend zu orientieren. Grundsätzlich kann bei Nachhaltigkeitszertifizierungen die soziale und ökologische Dimension unterschieden werden. Je nach Zertifizierung existieren verschiedene Verfahren zur Messung, die sich jeweils hinsichtlich der abgedeckten Themen unterscheiden. Häufig wird dabei auf ein Audit oder eine Selbstauskunft gesetzt. Die Nachhaltigkeitszertifizierung des DIQP unterscheidet sich insofern, als dass hier verschiedene Stakeholder in den Zertifizierungsprozess mit einbezogen werden. In einem ersten Schritt findet eine unabhängige Kunden- und Mitarbeiterbefragung statt, ehe das Unternehmen eine Nachhaltigkeitsabfrage beantworten muss. Dabei geht es unter anderem um die Einhaltung der bereits erwähnten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Aber auch weitere Bereiche werden abgefragt.

Warum ist das Verfahren des DIQP so außergewöhnlich?

Wie bereits erwähnt, ist das Verfahren für das Siegel „Nachhaltiges Unternehmen (DIQP)“ des DIQP deshalb so außergewöhnlich, weil hier verschiedene Stakeholder, darunter Kunden und Mitarbeiter, in die Nachhaltigkeitszertifizierung mit einbezogen werden. So kann auf Grundlage von Indikatoren wie den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen eine umfassende Bewertung der nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens erfolgen. Weil das DIQP ein eingetragener Verein ist, der nicht die Absicht hat, Gewinne zu erzielen, gelten seine Nachhaltigkeitszertifizierungen als vollkommen unabhängig. Grundlage aller durchgeführten Zertifizierungen sind die vom DIQP entwickelten Kriterien, die sich allesamt an internationalen Grundlagen orientieren. Die Ergebnisse aus den Befragungen der Kunden und Mitarbeiter, die soziale, ökologische und ökonomische Aspekte betrachten, können Unternehmen nicht nur dabei helfen, Handlungen abzuleiten, sondern vor allem auch dabei, die Nutzung von Ressourcen auf lange Sicht zu optimieren. Außerdem wird auch die Nachhaltigkeitszertifizierung für geprüfte Nachhaltigkeit angeboten.

Welche Vorteile hat ein Unternehmen, wenn es nachhaltig agiert?

Unternehmen, die nachhaltig agieren, profitieren von einer Vielzahl von Vorteilen. Zuerst einmal ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung ein Qualitätskriterium, das im Gegensatz zu vielen Marketingversprechen konkret nachgewiesen werden kann – für die Glaubwürdigkeit von Unternehmen ein echter Pluspunkt. An allen geeigneten Stellen sollten daher Zertifizierungen verwendet werden, um das Vertrauen von Kunden, Investoren und Regulatoren zu gewinnen. Auch das Unternehmensbild lässt sich durch nachhaltiges Engagement positiv beeinflussen. Hinzu kommt, dass eine ethisch korrekte Unternehmensphilosophie ein wichtiger Baustein in der Kundenbindung ist. Wenn Kunden mit gutem Gewissen den Service eines Unternehmens in Anspruch nehmen, werden sie von reinen Konsumenten zu echten Markenbotschaftern. Darüber hinaus sind Unternehmen, die eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, in aller Regel innovationsstärker: So können nicht nur neue Märkte erschlossen werden – auch Kosteneinsparungen lassen sich effizienter umsetzen. Im Unternehmen wird außerdem eine Innovationskultur gefördert, die auf lange Sicht für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit sorgt. Für Mitarbeiter bedeutet die Nachhaltigkeitszertifizierung des Unternehmens, in dem sie arbeiten, dass sie das Gefühl haben, einen positiven gesellschaftlichen Einfluss zu leisten. Dadurch lässt sich nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit nachhaltig steigern – auch, wer motivierte neue Mitarbeiter sucht, profitiert von einem positiven Unternehmensimage. Zu guter Letzt ist festzuhalten, dass ein Nachhaltigkeitskonzept für Unternehmen nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance begriffen werden sollte. Warum das so ist, zeigt eine Studie von McKinsey, in der herausgefunden wurde, dass Endkunden durchaus bereit sind, für eine nachhaltige Produktion mehr Geld auszugeben. Umweltschutz, faire Arbeitsbedingungen und Ressourcenschutz werden also belohnt, solange nur ein hohes Maß an Transparenz gegeben ist.