Arbeitgeberattraktivität – Definition und Merkmale

Arbeitgeberattraktivität ist aufgrund des Fachkräftemangels seit Jahren ein bekanntes und wichtiges Thema. Unternehmen tun sich schwer damit, qualifiziertes Personal zu finden oder dieses zu halten. Hier stellt sich die Frage, ob Arbeitgebern/ Arbeitgeberinnen bewusst ist, was diese Entwicklung der Arbeitgeberattraktivität beeinflusst und welche Faktoren innerhalb des Unternehmens für die Stärkung von Arbeitgeberattraktivität entscheidend sind.

Ziel dieses Artikels ist es, sich mit den Faktoren auseinanderzusetzen, die entscheidenden Merkmale der Attraktivitätswahrnehmung zu identifizieren und Möglichkeiten zum Ausbau der Arbeitgeberattraktivität zu geben.

Definition von Arbeitgeberattraktivität

Die Arbeitgeberattraktivität ist ein Konstrukt aus verschiedenen Faktoren, die das Unternehmen als Arbeitgeber/ Arbeitgeberin attraktiv machen. Das Arbeitsumfeld ist dabei genauso wichtig wie die Arbeitsbedingungen, das Image des Unternehmens und die Work-Life-Balance. Außerdem spielen die Vergütung und Karrieremöglichkeiten eine (untergeordnete) Rolle.

Ein attraktiver Arbeitgeber/ eine attraktive Arbeitgeberin hat eine positive Reputation und eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit. Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber/ihre Arbeitgeberin als attraktiv empfinden, haben ihm/ ihr gegenüber eine positive Einstellung, arbeiten gerne für ihn/sie und fühlen sich mit ihm/ ihr verbunden. Die Stärkung der Arbeitgeberattraktivität ist ein wichtiger Faktor, um qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewinnen und sie langfristig an das Unternehmen zu binden.

Warum ist Arbeitgeberattraktivität wichtig?

Es ist bekannt, dass Arbeitgeberattraktivität in Zeiten des Fachkräftemangels immer mehr an Bedeutung gewinnt. Engagiertes und qualifiziertes Personal hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Schließlich sind zufriedene Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen in der Regel engagierter und leisten mehr als solche, die es nicht sind. Der Begriff „War of Talent“ verdeutlicht, wie stark der Markt für talentierte und motivierte Kräfte umkämpft ist. Durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen nochmals Anforderungen, die durch neue Talente erfüllt werden müssen, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben und auf dem Wirtschaftsmarkt bestehen zu können. Die angespannte Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie die anhaltende Globalisierung werden den Wettbewerb auch in Zukunft noch verstärken.

Für Arbeitgeber/Arbeitgeberinnen bedeutet dies, dass sie vor einer Herausforderung stehen und Maßnahmen ergreifen müssen, um nach außen hin, aber auch intern als attraktiv wahrgenommen zu werden.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren in eine andere Richtung entwickelt. So müssen sich nicht nur Bewerber und Bewerberinnen in dem Rekrutierungsprozess beweisen, sondern auch die Unternehmen. In Bezug auf den Fachkräftemangel müssen Unternehmen ihre Attraktivität steigern, um auf dem umkämpften Markt bestehen zu können. Nur wer es schafft, sich so zu positionieren, wird in der Lage sein, qualifizierte und motivierte Talente zu rekrutieren und vor allem auch zu binden.

Fachkräfte haben heute eine große Auswahl an Arbeitgebern/ Arbeitgeberinnen. Solche Unternehmen, die sich durch eine hohe Arbeitgeberattraktivität auszeichnen, haben in diesem Wettbewerb einen entscheidenden Vorteil und können Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen nicht nur besser ansprechen, sondern auch überzeugen.

Zufriedenstellende Arbeitsbedingungen sind wichtiger denn je. Sie stärken die Bindung zwischen Arbeitgeber/ Arbeitgeberin und Arbeitnehmer/ Arbeitnehmerin. Beschäftigte, die sich mit ihrem Arbeitgeber/ihrer Arbeitgeberin und Unternehmen identifizieren, bleiben dem Unternehmen länger treu und lassen ihr Know-how in den Erfolg des Unternehmens einfließen. Sie sind gewillt, ihr Bestes zu geben und stehen für den Erfolg des Unternehmens ein.

Es ist also wichtig, die Faktoren, die über Arbeitsgeberattraktivität entscheiden, zu kennen und Maßnahmen zu ergreifen, um diese Kriterien zu erfüllen. Was also sind die entscheidenden Merkmale und wie lässt sich Arbeitgeberattraktivität steigern?

Merkmale von Arbeitgeberattraktivität

In diesem Artikel betrachten wir die Wahrnehmung von bereits bestehenden Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen als Identifikation von Arbeitgeberattraktivität. Die meisten Studien ziehen bisher Berufsanfänger oder Studierende heran, allerdings sind bestehende Beschäftigte der Part, der das Image des Unternehmens nach außen transportieren und somit die Wahrnehmung von außerhalb beeinflussen.

In der zugrunde liegenden Studie aus 2009, auf die wir uns in diesem Artikel beziehen, wurden bestehende Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen zu „weichen“ und „harten“ Faktoren befragt, die wir im Folgenden näher erläutern. Die Studie hat folgende Faktoren für die Arbeitgeberattraktivität identifiziert:

Es zeigt sich, dass die Arbeitsplatzqualität und das Arbeitsumfeld einen großen Einfluss auf die Attraktivität des Arbeitgebers/ der Arbeitgeberin haben. Hierzu zählen besonders flexible Arbeitszeitmodelle. Wichtig ist den Befragten auch ein gewisser Spaßfaktor und ein familiäres Miteinander am Arbeitsplatz. Weiterhin legen die Befragten Wert auf eine faire Work-Life-Balance. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, wird immer wichtiger. Die Mehrheit der Studienteilnehmer/ Studienteilnehmerinnen empfindet es zudem als besonders ansprechend, wenn ihr Arbeitsplatz als sicher gilt.

Der Führungsstil der Verantwortlichen ist ebenfalls als Merkmal identifiziert worden. Führungskräfte werden als Vorbilder wahrgenommen und sollten auch als solche agieren. Eine offene Kommunikation innerhalb des Unternehmens findet großen Zuspruch genauso wie die Wertschätzung der erbrachten Leistung. Somit wünschen Beschäftigte sich Feedback von ihren Vorgesetzten.

Weiterhin bestärkt ein attraktives Stellenprofil das Ansehen des Arbeitgebers/ der Arbeitgeberin. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schätzen eine sinnhafte, vielfältige und interessante Tätigkeit und nehmen gerne herausfordernde Aufgaben an. Sie bevorzugen flache Hierarchien und eine gewisse Entscheidungsbefugnis im Unternehmen. Das zeigt, dass sie sich ein vertrauensbasiertes Arbeitsverhältnis wünschen.

Relevanz findet auch das Unternehmensimage. Das bezieht sich unter anderem auf die Produkte und Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet und auf die Branche, in der es tätig ist. Entscheidend ist auch, wie das Unternehmen nach außen hin wirkt, welches Ansehen es genießt und wie glaubwürdig es seine Werte vertritt. Immer stärker wird auch der Wunsch nach Nachhaltigkeit und einem bewussteren Umgang mit der Umwelt. Ebenfalls charakteristisch für ein positives Unternehmensimage ist eine gute Anbindung und eine gute Infrastruktur.

Diese genannten „weichen“ Faktoren ergeben eine hohe Relevanz für die Arbeitgeberattraktivität.

„Harte“ Faktoren, wie etwa die Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten, konnten laut der betrachteten Studie nicht als Merkmale identifiziert werden. Dies mag daran liegen, dass ein Teil der Befragten ein höheres Alter erreicht hat und bereits mehr als 20 Jahre Berufserfahrung vorweisen konnte.

Gehälter, Lohnsteigerungen sowie finanzielle Zusatzleistungen haben demnach keinen Einfluss auf die Arbeitgeberattraktivität. Ebenso spielen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen, die Förderung von Weiterbildung und die interne Jobrotation für bestehende Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen eine untergeordnete Rolle. Für jüngere Generationen allerdings mögen diese Kriterien sowie ein Engagement für die Umwelt sowie nachhaltiges und bewusstes Handeln von der Unternehmensseite entscheidend sein.

Wie kann man als Unternehmen seine Arbeitgeberattraktivität steigern?

Eine gute Arbeitsplatzqualität und ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, wirkt sich positiv auf das Ansehen eines Unternehmens aus. Flexible Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen, statt eine 9-to-5 Anwesenheitspflicht festzulegen, wird immer beliebter. Eine Atmosphäre zu schaffen, die familiär und freundschaftlich ist und auch einen gewissen Spaßfaktor bietet, stärkt den Zusammenhalt im Unternehmen.

Zudem ist ein Führungsstil mit Vorbildfunktion notwendig. Eine offene Kommunikation innerhalb des Unternehmens ist unverzichtbar. Das betrifft sowohl die Weitergabe von Informationen und Neuigkeiten sowie künftigen Plänen als auch ein offenes Ohr für die Angestellten. Kritik und Lob sollte von beiden Seiten geäußert werden dürfen und für neue Ideen oder Verbesserungsvorschläge sollte auch die Chefetage offen sein.

Weiterhin sollte man den Angestellten genug Vertrauen entgegenbringen und ihnen einen gewissen Grad an Entscheidungsfreiheit lassen. Ständige Kontrollen von oben sind für die Zufriedenheit kontraproduktiv. Außerdem fördert eine vielseitige und spannende Tätigkeit die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen.

Wer möchte, sollte sich auch stetig weiterentwickeln dürfen. Die Förderung von Weiterbildung und Aufstiegschancen oder ein Positionswechsel innerhalb des Unternehmens bietet Chancen für Arbeitgeber/ Arbeitgeberin sowie Arbeitnehmer/ Arbeitnehmerin.

Auf die eigenen Beschäftigten zuzugehen und ihre Zufriedenheit, Wünsche und Bedürfnisse zu erfragen, kann ein entscheidender Faktor für den Wert der Attraktivität sein. Ein offener und regelmäßiger Austausch zwischen Führungskräften und Beschäftigten stärkt die Bindung und ermöglicht es, zu reagieren, bevor der Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen unzufrieden werden und das Unternehmen eventuell verlassen möchten.

Fazit

Entscheidend für die Identifizierung der Merkmale von Arbeitgeberattraktivität ist das Heranziehen der Ansichten von bereits bestehenden und nicht nur den potenziellen Mitarbeitern/ Mitarbeiterinnen, die bisher wenig oder keine Berufserfahrung oder der Arbeitgeberbewertung haben. Dazu eignet sich eine Mitarbeiterbefragung oder auch eine Zertifizierung mit einem Arbeitgebersiegel zum Beispiel als Top Arbeitgeber.

Arbeitgeberattraktivität mit einem Arbeitgebersiegel zeigen

Arbeitgeberattraktivität mit einem Arbeitgebersiegel sichtbar machen

Die Auswertung der Studie zeigt, dass Arbeitgeber/ Arbeitgeberinnen für die Angestellten als attraktiv gelten, wenn die „weichen“ Faktoren stimmig sind. Arbeitsplatzqualität, Führungsstil, ein ansprechendes Stellenprofil und das Image des Unternehmens spielen für Beschäftigte eine entscheidende Rolle. Die Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb eines Unternehmens sind laut Studie nebensächlich. Ob dies jedoch in Zeiten steigender Preise und einer relativ hohen Inflation noch heute so ist, darf bezweifelt werden.

Durch die jüngsten Streiks gab es zahlreiche Gehaltsanpassungen. Diese dürften im Allgemeinen auch eine Auswirkung auf dem gesamten Arbeitsmarkt haben. So werden Stellen im öffentlichen Dienst durch eine bessere Vergütung attraktiver. Unternehmen sollten nicht den Anschluss verlieren und auch im Bereich der Vergütung ein attraktiver Arbeitgeber sein. Der Trumpf des öffentlichen Dienstes liegt gerade im Bereich der wahrgenommen Arbeitsplatzsicherheit bei der verbesserten Vergütung wird der öffentliche Dienst zunehmend zum Konkurrenten unter den Arbeitgebern.

Dabei sind nicht nur die bestätigten Merkmale und „weichen“ Faktoren zu betrachten, sondern auch die Vergütung sowie Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen. Kann man sich als Unternehmen in allen Bereichen behaupten, spiegelt man die Bedürfnisse angehender Talente und erfahrender Fachleute wider und wird durch Generationen hinweg als attraktiver Arbeitgeber und attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen.